Fotos | Architekturfoto Olaf Herzog | Matthias Beisel
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AUSZUG AUS DER PREISGERICHTSBEURTEILUNG
‚Die Verfasser überraschen mit einem radikalen Konzept. Eine wirtschaftliche Realisierung ist gegeben, insbesondere, da die Arbeit, die aus der Bewältigung der anspruchsvollen Topographie notwendigen Wand- und Abfangkonstruktionen zu einem entwurfsprägenden Ansatz macht.‘
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Projektfortschritt
8. September 2023 | offizielle Einweihung



August 2023 | Drohnenaufnahmen

August 2022 | Fertigstellung Rohbau
April 2022 | Richtfest

Dezember 2021 | Baufortschritt
September 2021 | erster Spatenstich
November 2020 | Baubeschluss
Januar 2020 | Beauftragung
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Konzept | Neubau Feuerwehrhaus Leingarten
Städtebau | Architektur | Feuerwehrhaus als Teil der Landschaft
Das neue Feuerwehrgebäude präsentiert sich nicht als solitärer freistehender Neubau, sondern als zurückhaltende Architektur, die sich bewusst aus der Topographie und Landschaft heraus entwickelt – und aus dieser Entwurfsidee resultierend auch ein wirtschaftliches Gebäudekonzept ermöglicht.
Ziel des architektonischen Konzeptes ist es, den Baukörper des neuen Feuerwehrhauses harmonisch in die Landschaft so einzubetten, dass er sich sowohl in der Formensprache als auch in der Materialwahl zurücknimmt.
Die Grundstückstopographie mit ihrem Gefälle nutzend, richtet sich der Baukörper an den vorhandenen Höhenlinien aus und schiebt sich mit seinem Volumen in den Hang hinein. Dadurch dient er gleichzeitig als konstruktives, wirtschaftliches Element der Hangabfangung.
Der Neubau des Feuerwehrhauses tritt mit nur zwei ‘Fassaden‘ in Erscheinung: mit der dem Ort Leingarten zugewandten Gebäudefassade sowie mit der als große Landschaftsterrasse konzipierten, grünen Dachfläche.
So zeigt sich das Gebäude von Süden her lediglich als horizontale Fortsetzung der umgebenden Flächen. Das extensiv begrünte Dach lenkt den Blick von der Bergseite aus hinweg über Hof und Stellplätze. Von Norden her knickt der Hang in die Erdgeschoss- und Hofebene ab.
Ergänzend zum horizontalen Baukörper des Feuerwehrhauses markiert der weithin sichtbare, frei im Landschaftsraum stehende Feuerwehrturm als Landmarke die Nutzung des Gebäudes sowie den nordwestlichen Abschluss des Geländes.
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Entwurf | Funktionaler Ablauf und Erschließung – Einfach und klar
Gliederndes Element des Entwurfes ist das Atrium mit Aufenthaltsqualität, um das herum alle Nutzungen auf zwei Geschossebenen organisiert werden. Das Erdgeschoss nimmt – neben der zweigeschossigen Fahrzeughalle – alle Funktionen der Einsatz- und Übungsabwicklung sowie Bereitschaftsraum und Büro auf.
Werkstatt, Gerätewartbüro, Umkleiden und Sanitärbereiche sind direkt von der Fahrzeughalle aus erreichbar. Die breite Erschließungszone der Fahrzeughalle wird in beiden Geschossen über die gesamte Gebäudelänge hinweg konsequent fortgeführt. Dies schafft im Alarmfall kurze Wegeverbindungen und erlaubt eine schnelle Übersicht über alle Vorgänge im Gebäude. An den beiden Enden dieser Achse sind die vertikalen Erschließungen angeordnet.
Einsatzzentrale sowie Lagebesprechungsraum befinden sich zwischen Atrium und Fahrzeughalle und erhalten dadurch Blickbezüge in Fahrzeughalle, Atrium und zu den Aufstellplätzen. Über diesen Räumen entsteht am Atrium eine Terrasse mit Aufenthaltsqualität – auch als zusätzliches Raum-Angebot bei Seminaren und Jugendveranstaltungen. Die Schulungs- und Jugendräume können über eine mobile Trennwand zu einem Großraum gekoppelt werden.
Erweiterungsoption | Der Lagerbereich für Geräte wird zusammen mit der Materialschleuse in Verlängerung der Fahrzeughalle angeordnet und direkt von der Halle aus erschlossen. Bei Bedarf kann dieser Bereich zu einem zusätzlichen Hallenstellplatz umgebaut und die benötigten Lagerflächen unkompliziert an der Ostseite des Gebäudes ergänzt werden. Eine Erweiterung des Feuerwehrhauses ist somit ohne funktionale Einschränkungen möglich.
Optimierung Alarmwege | Alarmparkplätze | kreuzungsfreie Organisation von Alarmausfahrt und PKW-Zufahrten | neue Zufahrt zum Feuerwehrhaus von der L 1105 aus | Alarmparkplätze vor der gesamten Gebäudelänge mit direktem Zugang zu den Alarmgarderoben und durchgehende Erschließungszonen sorgen im Alarmfall für schnelle Orientierung und effiziente Abläufe.
Übungshof | Aufstell- und Erschließungsflächen vor den Hallentoren gehen in den großzügigen Übungshof über, welcher durch den freistehenden Feuerwehrturm markiert wird. Zusätzlich wird der Übungshof bei erhöhtem Bedarf als Parkplatz mitgenutzt.
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Konstruktion | Materialien | Nachhaltig und wirtschaftlich
Entwurfsansatz | Das konsequent zonierte Gebäude hat eine klare Kubatur mit durchgehender Rasterung. Moderne Bauweise mit klarer Systemtrennung ermöglicht den wirtschaftlichen Bau eines zukunftsfähigen nachhaltigen Gebäudes. Das energetische Konzept folgt dem architektonischen und ermöglicht so wirtschaftliche Betriebs- und Unterhaltskosten.
Gebäudekonstruktion | Tragkonstruktion aus Stahlbeton | im Hallenbereich teilweise Skelettbau mit Stahlbeton-Stützen und Stahlträgern
geschlossene Fassadenflächen | Ausführung als Sichtbeton-Fertigteil-Fassade
Fenster | Türen | 3-fach verglaste Holz-Aluminium-Elemente
Tore | Sektionaltore mit transparenten Füllungen für die Fahrzeughallen
Innenausbau und baukonstruktive Einbauten | soweit wie möglich Verwendung natürlicher Materialien mit niedrigem Energiebedarf bei der Herstellung
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Energetisches Konzept
Dachflächen | mit extensiver Dachbegrünung – zur Reduzierung des Regenwasserabflusses und zur Verbesserung des sommerlichen Wärmeschutzes
Oberflächenwasser | Außenbeläge | soweit möglich – Versickerung und Rückhaltung des Oberflächenwassers auf dem Grundstück | Beläge der PKW-Stellplätze aus versickerungsfähigen Materialien | Fahrflächen für LKW mit Asphaltbelag
sommerlicher Wärmeschutz | Verzicht auf Südfassaden sowie extensiver Dachbegrünung
regenerative Energieversorgung | wirtschaftliche Betriebs- und Unterhaltskosten- z.B. durch Nutzung der Wände gegen das Erdreich des Hangs als Wärmereservoir für das Gebäude | Wärmepumpe | Photovoltaik
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